erschienen am 13. August 2020

Schon immer ein Rätsel: die Identität von CUS

Es gehört natürlich dazu, dass der Erfinder des Städterätsels selbst ein Rätsel ist. Kein sehr großes, man kann den Mann problemlos anrufen, und er ist ein sehr freundlicher und kluger Unterhalter. Aber wie heißen Sie denn nun? CUS, sagt er. Selt­samer Name. Nein, sagt er, es sind die Anfangsbuchstaben meiner Namen. Also etwa Christian Ulrich Schmidt oder so? Nicht so, aber die Richtung stimmt, also die Richtung mit den Buchstaben.

Na gut, rätseln wir mal weiter nach seiner Methode. CUS fing als Rätselerfinder einer süddeutschen Zeitung an, er lebt also im Süden Deutschlands und wahrscheinlich in München. Wie kam es dazu? „Ach“, sagt er, „ich war Student, als die Zeitung neue Rätsel suchte. Und eine der Redakteurinnen kannte mich, weil ich mit meinen Freunden damals immer Schnitzeljagden veranstaltete, so Rätseltouren durch die Umgebung. Und dann hat sie mich gefragt, ob ich so etwas auch für sie machen würde.“ Das erste Rätsel von CUS erschien 1990. Wenn CUS damals Student und ungefähr 25 Jahre alt war, müsste er heute 55 sein. Korrekt? Keine Antwort. Und was waren das für Rätseltouren? „Ach, so einfache Sachen. Da halten Sie an, und auf einem Zettel steht die Frage: Wenn der Februar der kürzeste Monat im Jahr ist, welcher ist dann der längste? Weiß doch jeder.“

Mal kurz überlegen. Der März, 31 Tage? Der Mai, der Juli, der August? Haben doch alle 31 Tage. CUS hört dem Gehirngemurmel zu, ist dann aber gnädig. „Der Oktober hat auch 31 Tage, aber eine Stunde mehr, weil die Uhr zurückgestellt wird.“ Und dann sagt er sehr süddeutsch, das sei eine „Hirnpatsch“-Aufgabe, also so ein Ding, bei dem sich jeder an den Kopf klatscht, „na logisch, hätte ich doch wissen müssen!“

Hirnpatsch-Rätsel mag er, das liegt an seinem Jura-Studium, das er mit zweitem Staatsexamen abgeschlossen hat. Danach arbeitete er kurz in einem juristischen Verlag, Gesetze muss man manchmal auch fünfmal lesen, um sich dann an den Kopf zu schlagen, war also gutes Training. Wäre er heute Anwalt oder Richter? „Ein Wald- und Wiesenjurist wahrscheinlich.“

Rätsel, findet er, sollten das Gehirn beheizen und Menschen zusammenbringen. Es gibt Rätselklubs, deren Mitglieder sich tagelang den Kopf zerbrechen, sich nachts anrufen, wenn einer eine Spur hat, und es feiern, wenn sie die Frage geknackt haben. „Ich denke andersherum“, erklärt CUS. „Ich denke mir eine Lösung aus und dann den Weg dorthin. Das ist wie bei Kreuzworträtsel-Autoren. Die haben fertige Gitter aller Lösungen vor sich und müssen die Fragen dazu erfinden.“ Wenn da ein einsames „kg“ steht, ist die Frage „Abk. f. Kilogramm“. Und für zwei Buchstaben gibt es immer eine Frage, dem chemischen Periodensystem sei Dank. Eisen? „Fe“. Rätsel zu erfinden ist der Weg vom Ergebnis zum Problem. In der Wissenschaft ist das genau andersherum.

Wichtig, so CUS, ist bei Rätseln, dass die Menschen nicht stundenlang Bücher wälzen müssen, sondern nur ihren Alltag genau anschauen sollten. So ist auch seine Stadt-Schnitzeljagd für den stern und die Autostadt Wolfsburg gedacht. „Es sind Spazierrätsel für jede der Städte, die sich sozusagen erlaufen lassen, die aber auch funktionieren, wenn man im Kopf durch die Städte wandert.“ Da kann es um ein Denkmal gehen, eine Brücke oder um einen berühmten Bewohner oder eine Bewohnerin der Stadt. Manchmal gar nicht so schwer, manchmal aber auch um einige Ecken gedacht. Solche Rätsel werben auch für den, sagen wir, etwas anderen Blick.

Gut, letzter Versuch, Herr… wie war noch mal Ihr Name? Hörbares Lächeln. Dass er anonym bleibt, sei auch ein wenig Selbstschutz. „Wenn ganz harte Rätsellöser nicht weiterkommen und glauben, da sei ein Fehler, dann suchen sie einen, rufen an oder ­stehen morgens vor der Tür. Und ich habe ja noch ein anderes Leben, als nur zu ­rätseln.“

Jochen Siemens