Für Langenscheidt:
Langenscheidt Goldwörterbuch

Das Taschenwörterbuch Englisch des Langenscheidt-Verlags ist eines der meistverkauften Bücher im deutschen Sprachraum überhaupt. Für diese Schatzsuche erscheint es in einer Sonderauflage von 60.000 Stück und wird zum Goldwörterbuch.

Aufgabe:
Finde das Wörterbuch aus purem Gold, das irgendwo in Deutschland vergraben liegt.

Lösung:
Sechs Monate dauert Deutschland bis dahin schwierigste Schatzsuche – dann hebt ein Paar aus Hessen den Schatz nahe dem Ort Langenscheidt in Rheinland-Pfalz.

Herausforderung für die Rätselmacher:
Die erste große Schatzsuche. Den Standard setzen. Einen Weg finden, wie man eine Stelle auf wenige Zentimeter genau durch Lösen von Rätseln lokalisieren kann.

Herausforderung für die Löser:
Braintrusts bilden. Das Rätsel mit einer bis dahin ungekannten Menge Ausdaür und Hirnschmalz knacken. In keine Fallgrube tappen. Sich nicht von anderen Suchtrupps beobachten lassen. Spaten ansetzen.

Schatzsucher Reinhard H. schreibt über den Versuch seiner Kieler Rategruppe, die richtige Reihenfolge der Frage herauszufinden. Erst dadurch war klar, welchen Schritt man zuerst gehen musste usw. Sein Brief zeigt gut die vielen Irrwege der Rätselteams und die Suche nach dem Königsweg. Wir haben den Brief von 48 Seiten stark gekürzt:

„Wir hatten ja schon vermutet, dass die Aufgaben nicht in der richtigen Reihenfolge sind, aber so einen Luxus wie ein Anordnungsverfahren hatten wir nicht erwartet. Es gibt also ein Merkmal, nach dem die Lösungen zu ordnen sind. Doch welches? Wieder Fragen über Fragen und sehr grosse Verwirrung im Team. Wir hatten das Gefühl, quasi bei null anzufangen.
Die Suche nach dem Anordnungsverfahren wurde von uns mit absolutem Hochdruck betrieben. Was könnte gemeint sein? Die Größe der grauen Kästen allein, die wie schon erwähnt durch die Aufgabe auf Seite sechshundertfünfunddreißig interessant zu seien schienen, war es wohl nicht, weil einige Zeilenzahlen doppelt und einige gar nicht vorkamen. Wie viele Zeilen hat eigentlich die Aufgabe auf Seite einhundertfünfundneunzig? Sie ist eindeutig im Gegensatz zu allen anderen nicht grau unterlegt. Bedeutet dies, dass hier als Zeilenlänge null anzusetzen ist? Soll sie damit etwa besonders gekennzeichnet werden? Wenn ja, wieso eigentlich?

Können die Seitenzahlen eine Rolle spielen? Eine flugs durchgeführte Primfaktorzerlegung hätte bis zur dreizehnten Aufgabe alles erklärt, brach dann aber mit Aufgabe vierzehn, also der Aufgabe auf Seite neunhundertzehn, zusammen. Auch die Sinus- oder Cosinusfunktion der Seitenzahlen zeigen nichts Besonderes. Wegen des „Hinweises zur Schatzkarte“ hätte sich ja etwas ergeben können. So einfach ist es dann doch nicht, dachten wir uns. Außerdem war in unserem Rätselteam sowohl diesseits als auch jenseits des Atlantiks im Prinzip folgendes klar: Es ist absolut unmöglich ein Rätsel zu konzipieren, bei dem gezielt Begriffe verdeckt werden und dann noch gleichzeitig mit den Seitenzahlen ein Anordnungsverfahren codiert wird. Das kann einfach nicht sein. Absolut ausgeschlossen. Die Seitenzahlen allein spielen keine Rolle, basta.

Was möglich ist, ist zum Beispiel, dass die Seitenzahlen eine Teilinformation enthalten. Eine Kombination aus der Zeilenlänge der Aufgaben und den Seitenzahlen ergibt fünf beziehungsweise sechsstellige Zahlen. Nehmen wir nur mal die ersten fünf Ziffern. Könnten dies nicht Postleitzahlen von Orten sein, die dann alphabetisch zu ordnen sind. Hmm, schnell ins numerisch geordnete Postleitzahlenverzeichnis geschaut, acht-neun-zwei-null-drei ergibt ….. Neu-Ulm! Nicht gerade sensationell. Und null-drei-acht-neun-zwei ….. gibt es gar nicht. Ein Fehlschlag. Oder handelt es sich um die Vorwahlnummern von Orten, die dann alphabetisch anzuordnen sind? Nein auch nicht, wie wir durch simples Ausprobieren nachgeprüft haben.
Und wenn die Zeilenzahl jeder Aufgabe anders mit einem Ort verknüpft werden muss? Zum Beispiel über die Fußball-Bundesligatabelle. Die Aufgabe auf Seite achthundertzweiundneunzig überstreicht drei Zeilen. Dritter war letztes Jahr Bayer Leverkusen. Super, alphabetisch geordnet würde Bayer Leverkusen an der Spitze der Tabelle stehen, dann müsste Bayern München kommen. Leider waren die Bayern nicht siebenter, was wegen der sieben Zeilen der Aufgabe auf der Seite dreihundertvierundneunzig vonnöten gewesen wäre. Siebenter war der VfB Stuttgart. Okay, eine Klassemannschaft, aber für unser gesuchtes Anordnungsverfahren ist dies leider ohne Bedeutung. Vielleicht ist die Tabelle der englischen Premier-League gemeint. Dies würde auch besser passen, weil es in England immerhin zwanzig Erstligisten gibt und so auch wieder ein Zusammenhang zum Englischen hergestellt würde. Eine sofortige Überprüfung ergab, dass auch diese heiße Spur extrem kalt war.

Wir haben dann noch unzählige mathematische Operationen auf die Zeilenlängen in Kombination mit den Seitenzahlen, den leeren Aufgabenzeilen, der Anzahl der Seiten zwischen zwei Aufgaben usw. angewandt. Keine Quersummen, keine Produkte von einzelnen Ziffern, nichts! Allerdings war da ein recht vielversprechender Tipp aus Übersee über die Quersummen der Zeilenlängen, der aber nur den so wichtigen Text hinter den Aufgaben in eine bessere Reihenfolge bringen würde. Hier störte uns immer, dass das „Gold“ unter der Aufgabe auf Seite neunhundertsechsundzwanzig zu früh kam und „Berlin ab sechzehn Uhr dreißig“ zu spät. Wenn also die Quersummen genommen werden, ergeben sich Zahlen von eins bis zehn. Die müssen dann einmal aufsteigend und dann wieder absteigend angeordnet werden; ein wunderschöner Querverweis zu der Aufgabe auf Seite eintausendzweihundertdreißig „Ten To Ten“; ein Begriff bleibt dann übrig nämlich das „Gold“. Klingt das nicht traumhaft? Kann das nur einer dieser vielen Zufälle sein? Gut, das Anordnungsverfahren der Lösungen ist damit natürlich nicht gefunden, aber immerhin. Der abgedeckte Text ist ja auch wichtig und unser schon gefundener Start, also die Begriffe „April“ und „depart“ bleiben an ihren Plätzen. Trotzdem, wie sind bloß die Lösungen anzuordnen?

Es musste sich also um irgendetwas anderes, irgendetwas weiter hergeholtes handeln. Als nächstes wurden dann die Seiten mit den Aufgaben genau ausgemessen. Bedeutet etwa die Position einer Aufgabe auf einer Seite etwas? Nein, die Aufgaben auf Seite achthundertzweiundneunzig und dreihundertvierundneunzig zeigen da keine Besonderheiten. Vielleicht ein Puzzle? Also alle Aufgaben kopieren, auf Pappe aufkleben, die grauen Kästen ausschneiden und ….. nichts! Absolut nichts, mehrere Tage lang versuchten wir mit diesen unterschiedlich großen Aufgaben Figuren zu legen, zum Beispiel ein großes „L“ für „Langenscheidt“ oder sonstwas sinnvolles. Aber es war nichts zu machen. Trotzdem haben wir die Puzzle-Idee eigentlich bis zum Ende immer mal wieder ausprobiert, insbesondere in Phasen, wo uns überhaupt nichts mehr einfiel.

In diese Zeit fiel auch Eür diesjähriges SZ-Rätsel. Da gab es doch einige kleine Hinweise auf das Goldwörterbuch-Rätsel: Die Händel/Herschel Aufgabe, Columbus mit Fernrohr auf einer Briefmarke und nicht zuletzt die Lösung IOIOI DM. War da nicht die letzte Ziffer der ISBN eines Buches gesucht? Zu dieser Nummer muss doch auch ein Buch gehören. Vielleicht enthält es Tipps für das Anordnungsverfahren oder überhaupt allgemeine Tipps. Es kann jedenfalls nicht schaden, den Titel des zugehörigen Buches zu kennen. In einem Geschäft wurde uns dann gesagt, dass die ersten drei Ziffern der ISBN immer eine Länderkennung sind, dabei gilt die Faustregel: Je grösser die Nummer, desto kleiner das Land. Das war wieder typisch, denn die ersten drei Ziffern ergaben die Zahl neunhundertsiebenundsechzig, also sicher kein Buch, welches so einfach zu kaufen sein wird. Aus einem Verzeichnis aller Verlage konnten wir dann ermitteln, dass das gesuchte Buch im „Penerbit Fajar Bakti Sdn. Bhd. Verlag“ in Malaysia erschienen ist. Glücklicherweise war dort die Fax-Nummer des Verlages in Kuala Lumpur angegeben. Also schnell hingefaxt und nach einer Woche kam das Antwortfax: Das Buch heißt „Nota dan Rumusan Mathematik Tambahan SPM“ und ist von den Autoren Tan Beng Theam und Leong Wei Ching verfasst worden. Hilft das weiter? Immerhin handelt es sich um ein Mathematikbuch, also ein Buch, dass sich mit Algorithmen befassen könnte. Trotzdem haben wir eigentlich nicht richtig versucht, dieses Buch zu finden. Erstens, weil in dem Fax gesagt wurde, dass es sich um ein sehr sehr altes Buch handelt, und zweitens, weil wir vermuten, dass es in der Landessprache abgefasst ist. Also wieder nichts!

Man kann es drehen und wenden wie man will: Trotz der Lösung von zwanzig der einundzwanzig Aufgaben, trotz des eindeutigen Textes hinter den Aufgaben, trotz dieser so deutlich durch die Größe der grauen Aufgabenkästen codierten Zahlen von eins bis zweiundzwanzig, trotz unglaublich vieler „Zufälle“ und trotz unglaublich vieler Leute, die sich ihre Hirne zermarterten hatten wir das Gefühl noch Lichtjahre vom Schatz entfernt zu sein.

Das war die Situation als uns folgendes auffiel: In dem kleinen Heftchen, welches uns vom Langenscheidt-Verlag zugesandt wurde und welches den durch die Aufgaben abgedeckten Text enthält, steht über dem von dem „Hinweis zur Schatzkarte“ abgedeckten Text „U-Bahn — Underground“ die Seitenzahl eintausendzweihundertneunundfünfzig und nicht wie im Goldwörterbuch eintausendzweihundertsiebenunddreißig! Ein Druckfehler? Bei einem solchen Rätsel, bei dem es wirklich auf jede Kleinigkeit ankommt, was die Aufgabe auf der Seite eintausendeinhundertsechsundachtzig eindrucksvoll untermauert hat, darf es eigentlich keine Druckfehler geben. Und die Differenz der beiden Seitenzahlen ist zweiundzwanzig, bei zweiundzwanzig Aufgaben (inklusive Hinweis), die wiederum bis zu zweiundzwanzig Zeilen im Goldwörterbuch abdecken! Zufall diese Anhäufung von Zweiundzwanzigen?

Ein Anruf bei Langenscheidt unter dem Vorwand, dass wir gerne wüssten, welcher Text eben auf Seite eintausendzweihundertsiebenunddreißig abgedeckt wird, schließlich stünde in dem Heftchen ja nur der abgedeckte Text der Seite eintausendzweihundertneunundfünfzig, führte nicht zu weiteren Informationen. Wir hörten wieder etwas von „drucktechnischen Gründen“ und das alles seine Richtigkeit habe und dass -falls es sich wirklich um einen Fehler handelt- er absolut ohne Belang sei. So einfach war es dann wohl doch nicht, hinter das Geheimnis dieses merkwürdigen „Druckfehlers“ zu kommen.

Erklären konnten wir uns ihn dann, als wir die zum Goldwörterbuch entsprechende Ausgabe des Taschenwörterbuches Englisch-Deutsch in einer Buchhandlung durchsahen. Alle Seiten des Wörterbuches stimmen exakt überein mit den Seiten im Goldwörterbuch. Exakt? Nein, nicht ganz. Die Seitenzahlen stimmen nämlich nicht. In dieser Ausgabe steht der Text „U-Bahn — Underground“ auf der Seite eintausendzweihundertneunundfünfzig, was den scheinbaren „Druckfehler“ erklärt. Noch in der Buchhandlung wurde uns das Anordnungsverfahren schlagartig klar:

Alle Seiten im Goldwörterbuch sind gegenüber den Seiten in der herkömmlichen Ausgabe um eine bestimmte Zahl zwischen null und zweiundzwanzig verschoben. Diese Seitenzahl ergibt dann die Stelle, an der die entsprechende Aufgabe abzuarbeiten ist. Zum Beispiel ist der „Hinweis zur Schatzkarte“ eben um zweiundzwanzig Seiten verschoben, muss daher also an zweiundzwanzigster und somit letzter Stelle abgearbeitet werden. Das passt ja sehr gut zum Hotline-Tip, dass der Hinweis erst am Ende gebraucht werde. Außerdem ist der unmittelbare Bezug zum Goldwörterbuch ebenfalls gegeben, schließlich haben die Lösungen der Aufgaben alle einen Bezug zum Englischen und damit zum Goldwörterbuch. Aus wirtschaftlichen Gründen hätte der Langenscheidt-Verlag auch kein besseres Anordnungsverfahren wählen können, denn selbstverständlich hatten wir die Seitenzahlen der Aufgaben nicht im Kopf. Deshalb wurde das herkömmliche Taschenwörterbuch von uns natürlich unverzüglich käuflich erworben. An läppischen zweiunddreißig Mark und achtzig Pfennigen sollte die Aufklärung des Anordnungsverfahrens nicht scheitern. Schließlich waren wir nun auf der richtigen Spur und das geheimnisvolle Goldene Buch nicht mehr weit!

Zu Hause angekommen wurde sofort hastig die Schutzfolie aufgerissen. Aha, die erste Aufgabe steht im Goldwörterbuch auf Seite sechsunddreißig, in diesem Buch aber auf Seite vierzig, sie ist also um vier Seiten verschoben. Die Lösung der Alcatraz-Aufgabe kommt also an die vierte Stelle. Sehr schön. Weiter: Der Seite einhundertvierundsechzig im Goldwörterbuch entspricht ….. Seite einhundertachtundsechzig, also ist sie auch um vier Seiten verschoben. Um Gottes Willen, was hat denn das zu bedeuten? Gehören die Lösungen beider Aufgaben etwa zusammen? Nein, die Aufgabe auf Seite einhundertfünfundneunzig ist in dem normalen Taschenwörterbuch auf der Seite einhundertneunundneunzig. Ebenfalls um vier Seiten verschoben. Eine genaue Untersuchung ergab, dass alle Seiten im ersten Teil des Wörterbuches um vier und im zweiten um zweiundzwanzig Seiten verschoben waren. So eine Pleite! Unsere Enttäuschung war kaum in Worte zu fassen. Könnt Ihr vielleicht ein Taschenwörterbuch Deutsch-Englisch gebrauchen?

Von diesem Schock mussten wir uns erstmal erholen. Naja, da wir das andere Wörterbuch nun mal besitzen, können wir die Änderungen, die im Goldwörterbuch vorgenommen wurden, genau feststellen. Die Verschiebung der Seiten kommt dadurch zustande, dass in der Mitte und am Anfang Blätter eingefügt wurden. Besser gesagt, es sieht eher so aus, als ob im Goldwörterbuch diese Seiten mit extra kleiner Schrift gedruckt und somit eingespart wurden. Außerdem sind im ersten Teil auch bei den Buchstaben „X“, „Y“ und „Z“ die Abstände verändert worden, so dass zusätzlich eine Seite eingespart wurde. Hmm, sollten etwa doch die Seitenzahlen eine Rolle spielen, weil fast der Eindruck erweckt wird, als ob hier die Aufgaben auf ganz bestimmte Seiten gezwungen worden sind. Nein, sicher nur ein Zufall! Von unserer Linie, dass es unmöglich sei, sowohl die abgedeckten Begriffe als auch die Seitenzahlen zu koordinieren, sind wir nicht abgewichen. Wenn überhaupt, dann enthalten die Seitenzahlen vielleicht Zusatzinformationen.
Ein weiterer Unterschied ist, dass auf dem Goldwörterbuch die Orte Berlin-München-Leipzig-Wien-Zürich-New York abgedruckt sind, wohingegen auf dem normalen Wörterbuch der Ort Leipzig fehlt, obwohl es auch erst neunzehnhundertdreiundneunzig gedruckt wurde. Ist das ein Hinweis? Bedeutet das „Waterloo“ unter der Aufgabe auf Seite sechshundertfünfunddreißig vielleicht doch Leipzig? Spielen diese sechs Orte etwa die zentrale Rolle bei der Schatzsuche? Zürich der Startpunkt, New York wegen der Titanic-Aufgabe, nach München müssen wir mit dem EC eins sowieso, und dann vielleicht über Wien und Leipzig nach Berlin wegen des schon öfter zitierten Textes unter der Aufgabe auf der Seite sechshundertneunundsiebzig? Falls die Samoa-Aufgabe als Lösung eine „eins“ ergäbe, könnte das Lösungssymbol durchaus die Krone der KuK-Herrscher bedeuten, wie eine Blitzrecherche ergab. Wien wäre also auch zwanglos hinzukonstruieren. Doch leider zeigte uns das Kursbuch, dass eine solche Route fast nicht möglich ist, obwohl es durchaus Züge gibt, die von Wien über Dresden und Leipzig nach Berlin fahren. Aber sind das nicht ein bisschen wenig Informationen für einen so langen Weg, schließlich soll ab der elften Aufgabe nur noch zu Fuss gegangen werden.

Dann fiel uns erstmal nicht mehr sehr viel zu dem Anordnungsverfahren ein. Natürlich probierten wir noch unzählige mathematische Operationen mit den Seitenzahlen und der Größe der grauen Kästen aus. Die Seiten mit den Aufgaben wurden nochmals genauestens vermessen, unser kleines Puzzle mit den ausgeschnittenen Aufgaben hat uns auch immer wieder beschäftigt, und der Frust stieg immer mehr. Kein Anordnungsverfahren war zu erkennen. Es musste sich also um eine extrem harte Nuss handeln. Kein Wunder, schließlich ist das Anordnungsverfahren auch der zentrale Teil dieses verzwickten Rätsels.

Eines Abends dann, es war etwa die Zeit als Ihr den Tip gegeben hattet, dass die Aufgabe auf der Seite zweihundertneunundsechzig an die vorletzte Stelle kommt, blätterten wir in einem Buch mit dem vielversprechenden Titel „Ich sag Dir alles“ aus dem Jahre neunzehnhundertsechsundfünfzig. Wir hatten gerade darüber nachgedacht, dass dieses penetrante „Alpha“ und „Omega“ doch irgendwas zu bedeuten haben müsse. „Alpha“ und „Omega“ tauchen mehrmals in dem Heftchen auf, welches nur die Aufgaben enthält, in dem Heftchen mit den Texten der abgedeckten Aufgaben und schließlich noch auf dem Foto mit Margarete Schreinemakers und Florian Langenscheidt, dass der Langenscheidt-Verlag uns einfach so mit den Hotline-Tipps geschickt hatte. Alles nur Dekoration von der exklusiven Schmuckdesignerin? Wir hatten ja schon erfolglos versucht, die Seitenzahlen und Längen der Aufgaben mit alphabetisch zu ordnenden Tabellen in Zusammenhang zu bringen. Auch haben wir versucht aus der Anordnung der Buchstaben in so verdächtigen Sätzen wie etwa „Das Goldwörterbuch Rätsel“ mittels unzähliger Verschlüsselungsalgorithmen eine Reihenfolge der Aufgaben zu generieren. Doch leider ohne Erfolg. Wir hatten nun die folgende Idee: Wenn „Alpha“ und „Omega“ auf das Alphabet hinweisen sollen, dann vielleicht nicht unbedingt auf unser Lateinisches, wie wir es heute kennen. Als Erstes fällt einem natürlich das griechische Alphabet ein. Aber damit lässt sich kein Anordnungsverfahren konstruieren. Absolut unmöglich, wie ein recht umfangreiches Ausprobieren ergab. Das griechische Alphabet hat auch vierundzwanzig Buchstaben. Ein Alphabet mit zweiundzwanzig Buchstaben wäre schön, wegen der zweiundzwanzig Aufgaben und der Größe der grauen Aufgabenkästen.

Tja, und da haben wir in dem oben erwähnten Buch „Ich sag Dir alles“ das hebräische Alphabet gefunden. Es hat zweiundzwanzig Buchstaben. Klasse! Und das Allergrößte war, dass der einundzwanzigste Buchstabe dieses Alphabetes „sin“ heißt und den Lautwert „S“ hat. Das ist doch nicht zu fassen: „U“ ist der einundzwanzigste Buchstabe unseres Alphabetes, der „Hinweis zur Schatzkarte“ ist an einundzwanzigster Stelle platziert, und nun noch „sin“ als einundzwanzigster Buchstabe des hebräischen Alphabetes. Alles reine Zufälle? Alles keine Bedeutung? Naja, wenn also das „sin“ im „Hinweis zur Schatzkarte“ nicht die mathematische Sinusfunktion ist, sondern ein „S“ symbolisiert, wie ist dann dieser Hinweis gemeint? Aber auch da war sofort eine Erklärung zur Stelle. Uns wurde nämlich gesagt, dass im Hebräischen Zahlen ebenfalls für Buchstaben stehen können und „fünfzig“ steht zum Beispiel für den Buchstaben „N“. Also ergibt sich für den Hinweis nun: „U gleich N mal S (Anzahl der Stationen)“. Das hört sich super an. „U“ ist, wie in jedem Lexikon steht, die Abkürzung für „Umdrehungen“. Die Anzahl der Umdrehungen ist also „N“ multipliziert mit „S“, wobei „N“ eine ganze Zahl ist („N“ symbolisiert in Formeln immer ganze Zahlen) und „S“ die Anzahl der Stationen sein soll, wie in Klammern als Zusatzerklärung gegeben wird. Na gut, die Kernfrage was eigentlich gedreht werden soll (vielleicht das Dreieck des Lösungssymboles der Aufgabe auf Seite zweihundertneunundsechzig?) und wie sich eigentlich die ganze Zahl „N“ ergibt, muss dann noch im Verlaufe des Weges zum Schatz geklärt werden, aber immerhin: Der „Hinweis zur Schatzkarte“ ist endlich entschlüsselt.

Alternativ könnte der Hinweis aber auch folgendes bedeuten: Im Hebräischen gibt es nur Konsonanten. Die Vokale werden durch sogenannte Interpunktionszeichen über den Buchstaben geschrieben. Ein Mal-Punkt bedeutet dann ein „O“, so dass der „Hinweis zur Schatzkarte“ auch: „U gleich NOS (Anzahl der Stationen)“ bedeuten könnte. Wie ist der Hinweis dann zu erklären? Ganz einfach, „NOS“ ist die Abkürzung für „Number Of Stations“ und wird durch den in Klammern stehenden Text erklärt. „U“ wären dann ebenfalls wieder Umdrehungen von was auch immer. Welche der beiden Erklärungen auch richtig ist, sie erschienen uns wirklich gut. Diese so gar nicht in das Rätsel passende Sinusfunktion wurde nicht mehr gebraucht (mal ehrlich, ist der Abstand zwischen dem „sin“ Symbol und der linken runden Klammer nicht ein bisschen groß?) und ein Alphabet mit zweiundzwanzig Buchstaben ist die Grundlage, was dieses überall zu findende „Alpha“ und „Omega“ zwanglos erklärt. Wirklich sehr sehr vielversprechend!

Leider waren wir hier schon mittendrin in einer verhängnisvollen Kette von Zufällen, die uns von dem Goldenen Buch fernhalten sollten. Dass im Hebräischen Zahlen auch Buchstaben bedeuten, führte uns auf das Buch „Das Foucaultsche Pendel“ von Umberto Eco. Dort spielt diese Tatsache auch eine entscheidende Rolle. Doch viel interessanter war, dass in diesem Buch auf Seite sechshundertzweiunddreißig eine Scheibe mit drei drehbaren Kreisen abgebildet ist. Auf den beiden äußeren Kreisen befindet sich das Alphabet und auf dem Inneren die Zahlen von eins bis zweiundzwanzig. Ja, nur bis zweiundzwanzig, weil es sich nicht um das ganze Alphabet handelt, sondern die Buchstaben „J“, „V“, „W“ und „Y“ fehlen. Als wir die Scheiben sahen wurden wir sofort elektrisiert. Schon häufiger hatten wir das Gefühl, endlich dieses ganze Rätseldurcheinander gelöst zu haben, doch diesmal waren wir uns absolut sicher: Diese Drehscheibe musste der Schlüssel zum Rätsel sein. Dass dort die Zahlen von eins bis zweiundzwanzig stehen und auch ein Alphabet benutzt wird, welches lediglich zweiundzwanzig Buchstaben hat, kann nie und nimmer Zufall sein, niemals! Außerdem stand da noch auf derselben Seite, auf der auch diese Drehscheibe abgebildet war, der Satz: „Ich hab eben Grips im Kopf und Glück gehabt.“ Sagt nicht der schwarze Korsar, dass „schon ordentlich Grütze in der Rübe“ und etwas Glück gebraucht werde, um das Rätsel zu lösen? Wir saßen im Geiste schon im Zug und entsprechende Jubel E-Mails wurden schon in die USA verschickt. Jetzt konnte es nicht mehr lange dauern, und auf der Hotline wurde auch noch nicht bekanntgegeben, dass der Schatz gehoben sei. So kurz vor dem Ziel haben wir sie nämlich ständig abgehört.

Allerdings war ein Anordnungsverfahren nicht auf den ersten Blick erkennbar. Also haben wir uns diese Drehscheiben gebastelt, und dann damit etwas herumprobiert. Wie konnte nun das Anordnungsverfahren lauten? Vielleicht so: Erstmal werden alle Buchstaben durch Zahlen ersetzt, so dass sich drei Scheiben mit den Zahlen von eins bis zweiundzwanzig ergeben. So, nun auf der äußersten Scheibe eine eins nach oben bringen. Dies soll die erste Aufgabe, also die Aufgabe auf der Seite sechsunddreißig, seien. Dann die zweite und dritte Scheibe gleichzeitig um neunzehn Felder weiterdrehen, weil die Aufgabe neunzehn Zeilen im Goldwörterbuch abdeckt. Als letztes, kann nun die Position der Aufgabe irgendwie auf der Inneren Scheibe abgelesen werden. Wieso das? Weil nämlich auf der inneren Scheibe die Zahlen von eins bis zweiundzwanzig gegen den Uhrzeigersinn aufgeführt werden, während sie auf den beiden anderen Scheiben im Uhrzeigersinn stehen. Insgesamt hört sich das doch wirklich toll an. Es hatte nur den kleinen Nachteil, dass es eben nicht funktionierte! Wie sollte denn letztlich die Position der Aufgabe abgelesen werden? Naja, das genau musste wohl rausgefunden werden. Schnell ist uns allerdings beim Ausprobieren und Drehen mit den Scheiben klar geworden, dass sich so ziemlich alles mit diesen Scheiben konstruieren lässt. Wirklich alles? Nein, was wir nie geschafft haben war, ein Anordnungsverfahren mit den drei Drehscheiben zu konstruieren, welches der Aufgabe auf der Seite achthundertzweiundneunzig eine „Eins“, der Aufgabe auf der Seite dreihundertvierundneunzig eine „Zwei“ und der Aufgabe auf der Seite zweihundertneunundsechzig eine „Zwanzig“ oder „Einundzwanzig“ zuordnet und ebenfalls die restlichen Zahlen ohne Wiederholungen kreiert.

Lag es daran, dass wir nicht ausdauernd genug waren? Haben wir etwa noch etwas bei den Aufgaben übersehen? Im Gegensatz zu dem normalen Wörterbuch ist im Goldwörterbuch auf jeder Seite noch ein grau unterlegter Buchstabe abgebildet. Ob diese Buchstaben auf den Seiten der Aufgaben vielleicht im Zusammenhang mit einer der Drehscheiben stehen? Nein, denn zum Beispiel ergäbe sich für die Aufgabe auf der Seite sechshundertfünfunddreißig ein „W“. Ein „W“ gibt es aber auf den Drehscheiben nicht. Müssen die Scheiben eigentlich immer weitergedreht werden, oder sind sie jedes Mal neu auszurichten? Müssen immer alle Scheiben separat gedreht werden, oder hängen zwei zusammen? Werden für das Anordnungsverfahren gar nur zwei der drei Kreise benötigt? Wie viele Zeilen überstreicht eigentlich die Aufgabe auf der Seite einhundertfünfundneunzig im Goldwörterbuch? Sechzehn, oder ist Null gemeint, weil die Aufgabe nicht grau unterlegt ist? Wenn Null gemeint ist, wie kann dies in unsere Drehscheiben integriert werden, die mit Eins anfangen?
Trotz dieser Unsicherheiten und erster Warnungen, dass diese ganze Sache mit den Drehscheiben „etwas weit hergeholt sei“, blieben wir bei dem Foucaultschen Pendel. Der Vorwurf, dass es „zu weit hergeholt sei“ wurde sofort entkräftet. Erstens tauchte dieses Buch schon einmal bei einer Frage in einem früheren SZ-Rätsel auf. Es muss Euch also sehr genau bekannt sein. Und zweitens waren ja Morgan Robertson, Margate City und James Robert Leavelle auch nicht gerade so bekannt, dass sie einem sofort in den Sinn kamen. Nein, nein; dieses Argument zog überhaupt nicht. War das ganze Rätsel selbst nicht ziemlich weit hergeholt?

Vielmehr setzte sich bei uns die Meinung durch, dass wir viel zu wenig über das Buch selbst wussten. Also musste ein Mitglied aus unserem Rätselteam weitere Teile seiner Freizeit zum Lesen dieses Werkes opfern. Vielleicht wird das Anordnungsverfahren einfach so im Text erwähnt. Leider handelt es sich bei dem Foucaultschen Pendel nicht nur um ein verhältnismäßig dickes, sondern auch um ein recht kompliziert geschriebenes Buch. Es dauerte also etwas bis es zu Ende gelesen war. Die Zwischenberichte, die uns unser „Leser“ lieferte waren sensationell: Zunächst war da die magische Zahl sechsunddreißig, die in dem Buch immer wieder vorkommt. Die erste Aufgabe des Rätsels steht auf der Seite sechsunddreißig. Dann spielen sechs geheimnisvolle Orte eine Rolle. Sechs Orte stehen -wie schon erwähnt- auf dem Goldwörterbuch und eben nur fünf auf dem normalen Taschenwörterbuch. Ferner sind U-Bahn Netze wichtig. Der „Hinweis zur Schatzkarte“ überdeckt das Wort „U-Bahn“. Außerdem wird ein „Goldenes Etui“ in dem Buch gesucht. Sieht das geheimnisvolle „Goldene Buch“ nicht wie ein Etui aus? Und dann war da noch Christian Rosenkreutzer, der Begründer des „Tempelritter Ordens“ und deswegen eine zentrale Figur des Buches. „Rosenkreutzer“, ist das nicht die gesuchte Anspielung auf die prominente Schmuckdesignerin „Rosenblat“? Außerdem könnte das die gelben Rosen erklären, die auf dem Foto mit Margarete Schreinemakers und Florian Langenscheidt zu sehen sind. Sicher ist Herr Langenscheidt ein höflicher wohlerzogener Mensch, doch musste dies unbedingt durch dieses Foto dokumentiert werden? Nein, die Rosen sind ein weiterer sehr feinsinniger Hinweis auf das Foucaultsche Pendel. Außerdem starb Christian Rosenkreutzer im Jahre dreizehnhundertvierzehn und die letzte Aufgabe des Rätsels befindet sich auf der Seite eintausenddreihundertvierzehn. Sollten dies alles Zufälle sein? So viele auf einmal! Die Indizien dafür, dass dieses Buch unmittelbar mit der Lösung verknüpft ist, waren einfach erdrückend.
Doch zwei Sachen machten uns dann wieder ein wenig unsicher. Zum Einen gab es da wieder warnende Stimmen, die sagten, dass man aus dem Foucaultschen Pendel von Umberto Eco so ziemlich alles ablesen könne, was man sich hinkonstruieren wolle. Schließlich handelt dieses Buch davon, wie Leute mit allen Mitteln versuchen, einen Code zu knacken. Zum anderen wurde eben kein klares Anordnungsverfahren geschildert, welches unsere Lösungen in die richtige Reihenfolge gebracht hätte. Hmm, was könnte dies bedeuten? Denken wir vielleicht zu kompliziert? Sollen all diese Übereinstimmungen und mutmaßlichen Hinweise nur auf das Foucaultsche Pendel selbst hinweisen? Ja, das könnte es sein.

Das Foucaultsche Pendel ändert seine Schwingungsebene, wenn es sich hin- und her bewegt. In dem Buch wird am Ende eine Schatzkarte unter das Pendel gehalten, und so versucht das Rätsel zu lösen. Könnte dies auch in unserem Fall so sein? Die Differentialgleichungen für ein solches Pendel waren schnell hingeschrieben, linearisiert und dann gelöst. Abhängig vom Breitengrad dreht sich die Schwingungsebene unterschiedlich schnell, am Äquator gar nicht, am Pol einmal am Tag. Das Pendel könnte also zum Beispiel über einem Kreis mit zweiundzwanzig Feldern hängen und nach einer bestimmten Zeit muss nachgesehen werden, über welchem Feld es sich gerade befindet. Aber auch hier gab es wieder zu viele Unbekannte. Wo sollte dieses Pendel denn stehen? Dies war wichtig, weil die Drehung der Schwingungsebene empfindlich vom Breitengrad des Ortes abhängt, an dem es aufgebaut ist. Welche Zeit sollte jeweils gewartet werden? Immer einen Tag? Oder jeweils soviele Tage wie die entsprechende Aufgabe Zeilen im Goldwörterbuch abdeckt? Oje, auch dies waren wieder Fragen über Fragen und keinerlei Antworten.

Wo hängen denn überall Foucaultsche Pendel? Natürlich im Pathenon in Paris, aber auch im Deutschen Museum in München. Dort vermuteten wir ja sowieso den Schatz. Also anrufen. Der entsprechende Sachverständige, dessen Aufgabe es ist, sich um das Foucaultsche Pendel im Deutschen Museum zu kümmern, sagte uns, dass es nichts Besonderes an diesem Pendel gäbe. Es pendelt den ganzen Tag und wirft dabei kleine Holzfiguren um. Wie viele? Deutlich mehr als zweiundzwanzig, genau wisse er das nicht. Und überhaupt; die Leute versuchen immer soviel mystisches Zeug in dieses Pendel hineinzuinterpretieren, dabei handele es sich nur um ein nüchternes physikalisches Experiment zur Demonstration der Erdrotation. Wir wurden auch gleich verdächtigt irgendeiner Sekte anzugehören und das Foucaultsche Pendel für spirituelle Sitzungen zu missbrauchen. Jedenfalls bekäme er häufiger Anrufe von solchen „Spinnern“ und in letzter Zeit sogar besonders häufig. Mit „in letzter Zeit“ meinte er allerdings die letzten drei Jahre. In den letzten so drei vier Monaten sei die Zahl der Anrufe nicht besonders gestiegen. Das war alles. War das Foucaultsche Pendel nun eine Spur oder nicht?

Diese Spur hatte von Anfang an auch einen Schönheitsfehler: Sie hatte weder etwas mit Englisch zu tun noch irgendeinen Bezug zum Goldwörterbuch. Trotzdem haben wir sie eigentlich bis zum Ende wegen der vielen Parallelen nie ganz aufgegeben. Leider.

Nach einer Woche absoluten Stillstandes in Sachen Goldwörterbuch Rätsel hat uns dann wieder ein Artikel im „Zeit Magazin“ Nummer einundvierzig aufgeschreckt. Dort wurde von einem Jürgen Kalwa über die Geschichte der Kryptologie berichtet. Nichts Besonderes auf den ersten Blick. Doch in dem Artikel wurde unter anderem erwähnt, dass ein gewisser William F. Friedman die zweite Auflage eines Deutsch-Englisch-Lexikons aus dem Jahre achtzehnhundertachtzig als Basis eines Codes entlarvte, den er dann später geknackt hatte. Wenn dies ein Langenscheidt-Wörterbuch war, dann ist dies mal wieder eine ganz heiße Spur. Leider war der Artikel recht kurz. Deshalb haben wir „Die Zeit“ per Fax um nähere Informationen gebeten. Der Autor Jürgen Kalwa hat uns dann tatsächlich Wochen später aus New York geantwortet. Wir selbst begannen gerade mit Hochdruck dieser neuen Spur zu folgen. Alle Aufgabentexte wurden zum Beispiel in einen Computer eingegeben, um dann später die Buchstabenhäufigkeiten zu analysieren. Diese Häufigkeiten sind die Basis zum Auffinden aller Verschlüsselungsalgorithmen. Wir kamen aber nicht mehr dazu weiterzusuchen, denn auf der Hotline wurde genau zu diesem Zeitpunkt bekanntgegeben, dass der Schatz gehoben sei.

Es war also zu Ende! Wir stellten erleichtert und enttäuscht sofort alle Aktivitäten ein. Erleichtert, weil wir auch schon wegen der vielen falschen Spuren ganz schön frustriert waren. Auch das Ausloben der Trostpreise hat uns nicht aufgemuntert. Konnte ein läppischer Übersetzungscomputer ein Trost für vier Monate harter Arbeit sein? Nein, gespannt haben wir dann auf die Lösung gewartet.

Schockiert hat uns natürlich das Anordnungsverfahren, welches in der Lösung steht. Keine Größe der graün Kästen, kein Text hinter den Aufgaben. Nichts von unseren „heißen Spuren“ sollte zu der Lösung gehören. Alles nur falsche Fährten des schwarzen Korsaren. Es ist unfassbar! Waren eigentlich alle von uns geschilderten falschen Spuren und Zufälle beabsichtigt, oder von uns hinkonstruiert? Insbesondere das Hebräische und das Foucaultsche Pendel.

Abschließend möchten wir noch darauf hinweisen, dass uns keinerlei Publikationen über das Rätsel bekannt waren (bis auf den Artikel im „Stern“). Ihr habt uns in der Zwischenzeit alle Veröffentlichungen zugesandt. Die Colleen B. Rosenblat-Recherche hätten wir uns also sparen können. Okay, das ist nicht so schlimm. Dass Leute schon im Juli in Zeitungsartikeln verraten hatten, bei der einen Aufgabe sei nicht die Titanic, bei einer weiteren nicht J.R. Ewing oder bei einer anderen nicht Monopoly die Lösung, ist deren persönliches Problem. Hätte sowas auch nur ein Mitglied unseres Teams gewagt, wäre ihm günstigstenfalls die Zunge entfernt worden.