Für NZZ Folio:
Monatsrätsel

Seit Januar 2008 jeden Monat im Folio – immer greift das Rätsel das Hefthema auf und immer geht es im Rätsel um die Schweiz. Diese doppelte Bedingung macht dem Autor das Leben schwerer und den Lösern etwas leichter. Die schiere Länge erfordert einen journalistischen Text, der natürlich nicht zuviel und nicht zuwenig verraten darf. Das verlangt Fingerspitzengefühl, Fabulierfreude und Formulierungskunst.
Das Rätsel soll google-proof sein: Erst wenn man die richtige Idee hat, kann man im Netz recherchieren. Bis dahin erfordert es Assoziationsvermögen, Ausdauer und das Erkennen der versteckten Hinweise im Text.

Herausforderung für den Rätselmacher:
Im langen Text möglichst alles sagen, aber nichts verraten. Was trotzdem verraten werden muss geschickt verpacken, damit es niemand so schnell merkt. Heftthema, Schweizer Bezug und Rätselthema zugleich finden. Auch den vielen Lesern, die nicht Löser sind, Lesestoff bieten.

Herausforderung für Rätsellöser:
Die Schweiz in allen Facetten betrachten. Versteckte Hinweise beachten. Herausfinden, ob das Rätsel Reales oder Fiktives beschreibt (und manchmal beides zugleich, siehe Beispielstext).

Beispieltexte:

Paar excellence

Wer ließ seine große Liebe sitzen, weil seine Mutter es so wollte, und hängte dann seiner Ex ein Kind an, ein ganz besonderes Kind? Raten Sie mit – und gewinnen Sie!

Von CUS

Es muss ein ansehnliches Paar gewesen sein. Ihr zuliebe verlegte er seinen Wohnsitz näher an ihr Elternhaus. Oft gingen sie in einem Schweizer See schwimmen, es gibt sogar ein Foto der beiden in Badekleidung. Ob sie schon von Heirat sprachen? Beide kamen aus gutem Hause, vielversprechend sah die Zukunft aus. Sie hatte mit 18 den Führerschein gemacht, damals eine Seltenheit, zumindest für Frauen. Das muss ihn beeindruckt haben, mit Autos hatte er es ohnehin.

Zum Happy End kam es nicht: Seine Mutter war gegen die Heirat, und sie bekniete ihren Sohn, seine Liebe sitzenzulassen. Das tat er denn auch brav. Das war feige, und es war, nach den Massstäben der Zeit, unschicklich.

Verschmäht hat er seine Liebe, doch vergessen hat er sie nie: Später, viel später sollte er ihr noch ein Kind anhängen. Und was für eins! Tatsächlich machte sie noch eine ganz gute Partie – sie heiratete eine kleinere Schweizer Legende. Trotzdem geriet sie weitgehend in Vergessenheit, tauchte gerade mit ihrem Vornamen noch einmal an prominenter Stelle auf.

Und unser Freund? Er versüsste sich das schnöde Davonlaufen und stürzte sich ins pralle Leben. Nahm an Autowettfahrten durch die Alpen teil, mit Zwischenstop in St. Moritz, vergeigte hier und dort eine Prüfung, brachte es zum halbwegs anerkannten Journalisten, berichtete aus Deutschland, aus Italien, aus Moskau. Für all das wäre er heute zu Recht vergessen. Wir kennen ihn trotzdem, und zwar wegen des angehängten Kindes. Und weil er seiner Mama zuliebe die Frau seines Lebens sitzenliess.

Ein Muttersöhnchen also. Ein richtiger Mann hätte das nicht getan. Er kein richtiger Mann? Dieses Manko musste er irgendwie kompensieren. Was ihm gründlich gelang.
Wie heisst unser Muttersöhnchen?

Lösung:
Gesucht war Ian Fleming, der Erfinder von James Bond. Am Genfer See lernte Fleming Monique kennen, seine verhinderte Zukünftige. Monique vom Genfer See mutierte in Flemings Bond-Romanen zur Mutter von James Bond – als Monique aus der französischen Schweiz. Die wahre Monique heiratete jedoch nur den Erfinder des Klettverschlusses.


Heftthema „Reporter“: Regen bringt Segen

Die vielleicht legendärste Reportage der Schweiz, Millionen können daraus zitieren – raten Sie mit!

Welcher Reporter würde nicht gern bei lebendigem Leibe zur Legende werden? Welche Sätze eines Reporters können Millionen fehlerfrei auswendig aufsagen? Nun, was heisst schon Sätze, er fleht ja mehr, lässt sich zu blasphemischen Äusserungen hinreissen, er frohlockt, tadelt, gerät in Verzückung, kurz: er wurde durch ein einziges Schweizer Ereignis zur Legende. Nicht weltweit zwar, aber ganz gewiss in seiner Heimat. Dabei war es kein unvorhersehbarer Wechselfall wie Bill Clintons Heisshunger auf Pizza in einer Schweizer Autobahnraststätte. Nein, es war ein ganz und gar vorhersehbares Ereignis. Auch wenn nur wenige ahnten, dass die Sache schliesslich so ausgehen würde. Ob er von der Schweizer Fremdenverkehrsausstellung jenes Sommers berichtete, mit ihren weit über einer Million Besuchern und eigens errichteter Zweier-Sesselbahn? Oder von dem leibhaftigen Monarchen auf Visite, wann hat man das schon in der Schweiz? Zigtausende säumten die Strassen.
Das ist alles mehr oder weniger vergessen, nur die Reportage nicht. Allein die Bemerkung aus dem „Hintergrund“ und dem was folgte brannte sich unauslöschlich in die Psyche einer ganzen Nation ein. Drei Jahre zuvor hatte ein Nachrichtenmagazin über weniger lautere Machenschaften des Reporters berichtet oder vielmehr seiner, nun ja, Zimmerwirtin. Etwa dass diese Person an seiner Seite lebte und sich gern mit seinem Nachnamen ansprechen liess. Dass sie Provision dafür kassiere, wenn unser Reporter diesem oder jenem Kollegen Gefälligkeiten erwies. Ob’s stimmt? Ach, was interessieren uns die kleinlichen Anwürfe der lieben Reporterkollegen, die es mit ihrer lemurenhaft wühlenden Art nie im Leben auch nur in die Nähe einer Legende bringen werden. In welchem Jahr spielt unsere Reportage?

Lösung:
Gesucht war das Jahr 1954 mit dem „Wunder von Bern“ – Deutschland wurde bei der Fussball-WM in der Schweiz Weltmeister. Die Radio-Reportage von Herbert Zimmermann ist in Deutschland bis heute Legende: „Aus dem Hintergrund müsste Rahn schiessen, Rahn schiesst …“ – das kennt jedes Kind in Deutschland ebenso wie den Regen in Wankdorf, das Fritz-Walter-Wetter. Weniger bekannt ist der Staatsbesuch von Kaiser Haile Selassie 1954 in Bern und die Berner Hospes-Ausstellung mit der Sesselbahn Bärengraben – Rosengarten – Allmend.